Dennis Muren – Special Effects Guru

Bericht: Silke Sippel

Kamera u. Schnitt: Krikor Haladjian


Als Dennis Muren in den 60iger Jahren begann, mit Special Effects fuer seine selbstgedrehten kleinen Filme zu experimentieren, gab es weder Videokameras, Computer noch Buecher ueber Trickfilmerei. Eine Karriere aus seinem Hobby zu machen – daran dachte er schon gar nicht. Was fuer ein Beruf sollte das sein? Heute ist er Special Effects Supervisor bei Industrial Light & Magic. Mit Lucas und Spielberg hat er insgesamt fast zwei Dutzend Filme gedreht, unter anderem die Star Wars Movies, E.T. und Minority Report. Special Effects nehmen einen immer groesseren Raum ein und mehr als 90% aller “Tricks” sind heute computergeneriert

Die Special Effects Leute von Industrial Lights & Magic leben und arbeiten in sicherer Entfernung von Hollywood – in San Francisco. Special Effects Guru Dennis Muren hat im Laufe der Jahre acht Oscars gewonnen; dennoch ist sein Name nur in Insiderkreisen bekannt. Zwei sehr unterschiedliche Teams arbeiteten parallel an der Produktion von “Krieg der Welten”. Waehrend Steven Spielberg mit Cast und Crew von insgesamt ueber 150 Leuten auf dem Set in New Jersey an der US-Ostkueste drehte, uebersah Muren etwa dieselbe Anzahl von Computerkuenstlern hier an der Westkueste. – Ein Drittel des Films – mehr als vierzig Minuten – besteht aus Special Effects.

“Ich musste alle daran erinnern, wie gross alles ist, wie schnell sich alles bewegt, weil in Wirklichkeit nichts da ist,” erklaert Muren. “Nach so vielen Movies zusammen haben Steven und ich unsere eigene Sprache. In unserer Vorstellung sehen wir sofort dieselben Bilder vor uns. So arbeiten wir wirlich sehr, sehr gut zusammen. Sobald die Szenen abgedreht sind, beginnt fuer uns die Arbeit. Ein paar Mal pro Woche zeigen wir Steven unsere Images, um ein Feedback zu haben.”

Die Invasion der Ausserirdischen hat begonnen. In einem Minivan fluechet Tom Cruises Charakter, Ray Ferrier, mit seinen Kindern vor dem sich anbahnenden Desaster. In dieser Endfassung ist kaum zu erkennen, was real gefilmt wurde und was computergeneriert ist. Genau genommen ist es eine komplizierte Mischung aus beidem. Murens Kollege, Grafikdesigner Chad Taylor benutzt die Software “Inferno”, um die Explosionen, den herabstuerzenden Tanklaster und die Zerstoerung von Haeusern und Bruecke digital zu kreieren. -Das Rohmaterial, dass er von Spielbergs Dreh bekommt, sieht voellig harmlos und undramatisch aus

Cruises Haus und das des Nachbarn wurden als zirka ein Meter hohes Modell detailgetreu nachgebaut. Die Zerstoerung filmte man vor einer Blue Screen mit mehreren 35mm Kameras. – Computerkuenstler zeichneten ein dreidimensionales Raster des gesamten Sets inklusive der Bruecke.

Gleichzeitig rekreierte man den Blickwinkel der Filmkamera, mit der Spielberg die Szene am Set drehte. Das Raster war spaeter eine unentbehrliche Orientierungshilfe, als die Phasen der Zerstoerung Bild fuer Bild mit dem urspruenglichen Hintergrund ersetzt wurden. Mehr als fuenfzig Computergrafiker arbeiteten vier Monate, um die Bruecke zum Einstuerzen zu bringen und das darauf folgende Chaos fuer die Szenen zu inszenieren.”War of The Worlds” ist eigentlich eine einfache Story, in der es ums Ueberleben geht,” sagt Regisseur Steven Spielberg. “Ein Vater versucht, seine Kinder vor ganz aussergewoehnlichen, unnatuerlichen Geschehnissen zu retten, die die Welt zu zerstoeren drohen. Er folgt dabei seinen ganz elementaren, menschlichen Instinkten. Es ist eine Odyssee, die in New Jersey beginnt und in Boston endet.”

Inferno erlaubt es dem Nutzer, verschiedene Einstellungen gleichzeitig zu bedienen. Zum Beispiel kann man Farb- oder Kontrastkorrekturen machen waehrend man gleichzeitig an einer (Blue Screen)-Maske arbeitet. – Mit Hilfe der Maske integrierten Chad Taylor und sein Team die Zerstoerung der Miniaturhaeuser durch den herabstuerzenden Tanklaster in das Originalfilmmaterial. Unverwuenschte Objekte, zum Beispiel Sandsaecke, die versehentlich mit in die Filmaufnahmen geraten waren, liessen sich mit einer anderen ‘Maske’ isolieren. Die Uebergaenge lassen sich ganz nach Belieben haerter oder weicher einstellen. Dennis Muren erklaert: “Bei unserer Arbeit ist es sehr wichtig, daran zu denken, dass wir Spielberg bei seinen Dreharbeiten nicht mit unseren Problemen belasten. Technische Probleme gibt es hier laufend. Ich bin dafuer verantwortlich, diese Probleme zu beheben. Ein Teil meiner Aufgabe ist es, ihm die Freiheit zu geben, seine Ideen umzusetzen. Die duerfen natuerlich nicht zu verrueckt sein. Wir muessen immerhin innerhalb eines bestimmten Budgets arbeiten.” Ohne Dennis Muren und seinem kreativen Special Effects Team waere es Spielberg niemals gelungen, einen Action-Film von dieser Dimension innerhalb von nur zehn Monaten fertigzustellen. Ueber ILM’s neuste Software “Zeno” wollte Dennis Muren noch nicht sprechen, da sie erst zu 60% fertig ist. Zeno erlaubt es Nutzern, verschiedenste Aspekte der Special Effects Produktion zu kombinieren. So kann z.B. EIN Computerkuenstler an Licht, Blue- Screen-Effekten, Explosionen und viele anderen Special Effects mit nur einer Software arbeiten. – Uebrigens ist Dennis Muren das einzige lebende Mitglied der ‘Academy’ (…. of Motion Picture Arts and Science), das so viele Goldstatuen (wie gesagt – acht Oscars) besitzt wie er.

Bericht: Silke Sippel

Kamera u. Schnitt: Krikor Haladjian

3sat/neues


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