Chris Hulsbeck

Ch2

Bericht: Silke Sippel

Kamera u. Schnitt: Krikor Haladjian

Zweite Kamera: David Haladjian

Portrait: Chris Hülsbeck

Der Komponist im Gespräch mit neues

Die Japaner erkannten in den 90iger Jahren als erste, dass sich die Musik von Computer- und Videospielen erfolgreich als live Event aufführen lässt. Die überwiegend jungen Besucher waren begeistert, die Musik ihrer Lieblingsspiele in einem Konzertsaal zu hören, repräsentiert von großen Kammerorchestern.

Auf gute Resonanz stießen wenig später auch die Eröffnungskonzerte der Leipziger Game Convention, gespielt vom tschechischen nationalen Symphonieorchester. Das Repertoire stammte überwiegend von japanischen Komponisten, aber bereits auf der ersten Spielemesse 2003 wurde auch die Musik eines Deutschen gespielt: Chris Hülsbecks ‚Apidya Suite’‚ später auch seine Titel aus der Turrican-Reihe und der ‚Giana Sisters

Chris Hülsbeck

© Krikor Haladjian

Am 23. August findet jetzt in Köln ‚Symphonic Shades – Chris Huelsbeck in Concert’ statt, ein Konzert, dass ganz dem deutschen Spielekomponisten gewidmet ist. Für die 120 Mitglieder des WDR Rundfunkorchesters ist es eine willkommene Abwechslung von ihrem sonst eher klassischen Repertoire. Geleitet wird das Konzert von Arnie roth, dem Star Dirigenten der Spielemusik. Das gesamte Konzert wird live im WDR 4 übertragen und es wird auch als CD aufgenommen.

Am selben Tag wird ein Teil seiner Musik auch in San Francisco live aufgeführt. Dort veranstaltet der junge Amerikaner Jason Michael Paul „Play: A Video Game Symphony“.

Als Chris Hülsbeck als Teenager begann, steckte die Spieleindustrie noch in den Kinderschuhen. Die Musik bestand oft aus einfachen Variationen eines Synthesizers. Chris war einer der ersten, der begann, ‚richtige’ Musik für die Handlung der Spiele zu komponieren. Ein neues Genre entstand. – In der Zwischenzeit hat er sogar für ‚Star Wars’ bei LucasArt gearbeitet und ist Music Director bei Factor Five.

Nach Japan ist San Francisco eines der wichtigsten Zentren für Videospiele-Produktionen. Eine Viertelstunde nördlich von der Golden Gate Bridge hat Factor Five seine Studios, ein von fünf Deutschen ursprünglich in Köln gegründetes Unternehmen für Video Games und Computersoftware

© David Haladjian

Der aus Kassel stammende Spiele-Komponist ist Music Director bei Factor 5. – Spielefans kennen ihn: als er noch in Deutschland lebte schrieb er einige der bekanntesten Melodien für den Commodore 64 und Amiga, u.a. für ‚The Great Giana Sisters’ und die ‚Turrican’-Reihe. Seit zehn Jahren lebt und arbeitet er hier in San Rafael, Kalifornien.

Game Musik zu schreiben ist ein kreativer aber gleichzeitig auch sehr technischer Prozess. Gerade diese Verquickung von High Tech und Kunst fasziniert Huelsbeck. Schon als Teenager tüftelte er mit Musik und Technik, komponierte und schrieb von Anfang an seine eigene Software. „Als In-House-Komponist habe ich natürlich den Vorteil, dass ich wirklich die ganze Zeit bei der Spieleentwicklung dabei bin“, sagt Chris Hülsbeck. „Von den ersten Konzepten an bis zu den ersten Demos kann ich ja alles sehen. Und es gibt also Storyboards, Skizzen und Art Work, die man sich also schon angucken kann. Und da kommen mir dann meistens die ersten Ideen musikalisch.“ Meistens denken wir nicht darüber nach, aber es sind vor allem die Musik und auch die Soundeffekte, die den Spieler emotional am meisten ansprechen, ihn durch die Handlung der virtuellen Abenteuerwelten führen und seine Entscheidungen für den Spielverlauf beeinflussen.

Chris erklärt – ‚So jetzt kommt man in die nächsten Teile der Story, und die Musik soll sich natürlich auch anpassen. Das ist dann auch die Aufgabe von mir als Music Director, das möglich zu machen.’ Jede Dialog- und jede Actionszene soll auch musikalisch reagieren, eine komplexe Aufgabe, die mit dem Komponieren fuer Spielfilme vieles gemeinsam hat. – In den USA gilt Chris Hülsbeck mittlerweile als der ‚Hans Zimmer der Gamemusik’.

Chris Hülsbeck hat eine Vorliebe für melodiöse Passagen. Er findet, dass der Klang eines philharmonischen Orchesters die Stimmung der Fabelwelten musikalisch am besten ausdrückt. „Die Videospielindustrie hat sich wirklich in den letzten Jahren ziemlich stark an Hollywood angenährt“, sagt der Komponist. „Also von den Produktions-Möglichkeiten her, von den Budgets steht es inzwischen einer Hollywoodproduktion kaum noch nach. Und da kommt natürlich auch die Orchesterproduktion mit ins Spiel“. In San Francisco traf Hülsbeck vor zwei Jahren den Kaffeehaus-Besitzer und Spielekonzertpromoter Jason Michael Paul. Der war von der Musik des Deutschen so begeistert, dass er heute regelmäßig Stücke von Hülsbeck in seiner Serie ‚Play: A Video Game Symphony’ spielt. Eine besondere Ehre für Chris Hülsbeck. In den USA und Europa haben Konzertveranstalter erkannt, dass sich Spielemusik ausgezeichnet für Orchesterkonzerte eignet. Chris Hülsbeck meint dazu: „Da war die Resonanz auch ziemlich gut von den Orchestern und den Orchester-Managern, die auf einmal gesehen haben, dass es ein völlig neues Publikum gibt, (das) die da halt in den Konzertsaal kommen und sich eben ein Orchester anhören. Das ist auf jeden Fall eine superpositive Entwicklung, auch für die Orchester.“

15.08.2008 / 3sat/neues |

Bericht: Silke Haladjian

Kamera u. Schnitt: Krikor Haladjian

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